Unbekannte Helden des Artenschutzes – Eindrücke vom Philippine Eagle Project

Wenn über den Schutz des Affenadlers berichtet wird, dann geht es meist um die Tiere selbst, um eines der seltensten und majestätischsten Symbole des Regenwaldes, das heute mit weniger als 400 Individuen in freier Wildbahn am Rand des Aussterbens steht. Doch wer hinter die Kulissen blickt, erkennt schnell: Der wahre Erfolg dieser Arbeit liegt in den Händen der Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen jeden Tag für diese Art kämpfen.

Wenn über den Schutz des Affenadlers berichtet wird, dann geht es meist um die Tiere selbst, um eines der seltensten und majestätischsten Symbole des Regenwaldes, das heute mit weniger als 400 Individuen in freier Wildbahn am Rand des Aussterbens steht. Doch wer hinter die Kulissen blickt, erkennt schnell: Der wahre Erfolg dieser Arbeit liegt in den Händen der Menschen, die unter schwierigsten Bedingungen jeden Tag für diese Art kämpfen.

Mein eigener Weg in dieses Projekt begann über die Technik. Als Hersteller von Brut- und Inkubationssystemen kam ich in Kontakt mit Wissenschaftlern und Züchtern, die solche Geräte dringend benötigten. Gespräche mit Zoologen und Forschern öffneten mir die Augen, wie entscheidend verlässliche Technik im Artenschutz ist. Einen entscheidenden Anstoß gaben mir Jan Hanel vom Zoo Liberec und Dominik Fischer vom Zoo Wuppertal, die mich ganz direkt fragten, ob ich bei diesem Projekt helfen wolle. Manchmal sind es diese einfachen Dinge wie das Aussprechen einer Bitte um Unterstützung, die alles ins Rollen bringen. Schließlich war es Rene Wüst, der mich zum ZGAP brachte und mir dadurch den Zugang zu einem internationalen Netzwerk im Artenschutz eröffnete. Von da an war der Schritt hinein in diese Welt nicht mehr aufzuhalten. Dafür danke ich ihm von Herzen, denn ohne diesen Impuls hätte ich meinen heutigen Weg in dieser Form nicht gefunden.

Seit einigen Jahren unterstütze ich das Programm der Philippine Eagle Foundation persönlich und konnte dadurch viele wertvolle Kontakte aufbauen. Mehrfach wurde ich eingeladen nach Mindanao und Tacloban zu kommen, um das Projekt und die Menschen vor Ort kennenzulernen. Lange Zeit war dies aufgrund äußerer Umstände nicht möglich. Umso bedeutender war es für mich, dass es nun endlich geklappt hat und ich selbst miterleben konnte, wie engagiert und hingebungsvoll die Stiftung und ihre Partner arbeiten.

Der Affenadler - König der Vögel

Der Affenadler, international als Philippine Eagle (Pithecophaga jefferyi) bekannt, gehört zu den größten Greifvögeln der Welt. Mit einer Flügelspannweite von bis zu zwei Metern, einer Körperlänge von fast einem Meter und einem kräftigen Hakenschnabel ist er ein Spitzenprädator in den Regenwäldern Mindanaos, Leytes, Samars und Luzons. Seine charakteristische Federhaube macht ihn unverwechselbar.

Der deutsche Name Affenadler leitet sich vom wissenschaftlichen Namen Pithecophaga ab, was wörtlich „Affenfresser“ bedeutet. Auch wenn Affen tatsächlich Teil seiner Nahrung sind, umfasst sein Spektrum viele andere Tiere wie Flughörnchen, Fledermäuse, Vögel, Reptilien und andere Wirbeltiere. Die Art ist endemisch, kommt also ausschließlich auf den Philippinen vor, und gilt nach der Roten Liste der IUCN als vom Aussterben bedroht. Alle zwei Jahre legt ein Paar nur ein Ei, in seltenen Fällen auch zwei. Selbst wenn zwei Eier gelegt werden, wird nur ein Küken aufgezogen. Das Ei wird rund 58 bis 60 Tage bebrütet, und das geschlüpfte Jungtier bleibt bis zu 20 Monate bei den Eltern. In dieser Zeit beginnen die Altvögel keine neue Brut. Dadurch wächst die Population extrem langsam und ist besonders anfällig gegenüber Verlusten.

Lebensraumverlust durch Abholzung, Konflikte mit Farmern, direkte Verfolgung, die Jagd durch die indigene Bevölkerung in den Bergregionen, Gefahren durch Stromleitungen sowie Taifune gehören zu den Hauptursachen für den drastischen Rückgang.

Die Realität im Feld ist weit härter, als viele vermuten. In den Bergen von Tacloban, wo der Affenadler noch vorkommt, sind Forscher und Studierende oft monatelang im Regenwald unterwegs. Wenig Schlaf, gefährliche Wege, Begegnungen mit Schlangen und Insekten, ständige Nässe und beschwerliche Anstiege gehören zum Alltag. Indigene Farmer ringen mit den Lebensbedingungen und stehen zugleich vor der Herausforderung, ihre Felder zu schützen, während Wildtiere ihre Existenz bedrohen. Immer wieder werden Adler abgeschossen, manchmal aus Unwissenheit, manchmal aus Not. Auch Stromausfälle, fehlende Ausrüstung oder mühsam erkämpfte Genehmigungen sind Teil des täglichen Kampfes.

Und doch gibt es diese Menschen, die nicht nachlassen: die Philippine Eagle Foundation mit ihrem Team in Davao, Professoren wie Jayson Ibañez, die die wissenschaftliche Leitung übernehmen, Fonds wie der Mohammed Bin Zayed Raptor Conservation Fund mit Persönlichkeiten wie Dr. Munir Virani, einem international anerkannten Greifvogelexperten, die Mittel und Expertise bereitstellen, sowie internationale Partner, die logistische und finanzielle Unterstützung leisten. Dazu kommen unzählige junge Studierende philippinischer Universitäten, die ihre Zeit und Energie in Praktika und Forschungsarbeiten investieren, ebenso wie internationale Unterstützer, von Praktikanten aus Dänemark bis hin zu Zoologen aus aller Welt.

All diese Artenschützer, von den Tierpflegern im Zentrum in Davao über die Forscher in den Bergen bis hin zu den Community Teams, die mit indigenen Farmern arbeiten, leisten Arbeit, die oft unsichtbar bleibt. Sie knüpfen Netzwerke, organisieren Spenden, sichern Fördergelder, verhandeln mit Behörden und finden Lösungen für Probleme, die von der Stromversorgung über die medizinische Betreuung bis zu rechtlichen Hürden reichen. Ohne die Stiftung und ihre Partner wäre kein einziges Küken großzuziehen und keine Auswilderung möglich.

Der Moment der Freiheit

Ein besonderer Moment hat mir die Bedeutung all dieser Arbeit eindrücklich vor Augen geführt. Am 30. September 2025 konnte ein geretteter Affenadler nach Monaten der Pflege in einem großen Gehege hoch oben in den Bergen von Kagbana durch die Philippine Eagle Foundation und ihre Partner wieder in die Freiheit entlassen werden. Der Käfig lag am Hang, mit weitem Blick in ein tiefes Tal. Ich selbst stand auf einem Aussichtspunkt gegenüber und konnte die Szene in ihrer ganzen Größe beobachten. Als sich die Tore der Voliere öffneten, breitete der Adler seine Schwingen aus, stieß sich ab und glitt majestätisch in die Tiefe, direkt hinein in den Regenwald, der sich wie ein grünes Meer unter ihm ausbreitete.

Für die Menschen vor Ort war dies nicht nur ein biologischer Erfolg, sondern ein zutiefst emotionaler Augenblick. In den Gesichtern von Forschern, Studenten, Farmern, Rangern und Mitarbeitern der Stiftung spiegelten sich Erleichterung, Stolz und Hoffnung. Für mich persönlich war es einer jener seltenen Momente, in denen man spürt, dass alles, die Anstrengungen, die Rückschläge, die schlaflosen Nächte, sich lohnt. Denn jedes Tier, das überlebt und wieder in Freiheit zurückkehrt, ist ein Sieg für die Natur. Die Begegnung mit diesen Menschen ist für mich eine Quelle tiefer Inspiration. Ich sehe, wie unsere Technologie eingesetzt wird, um Eier zu inkubieren, Jungtiere medizinisch zu überwachen oder klimatische Bedingungen stabil zu halten. Ohne verlässliche Technik wäre vieles schlicht nicht möglich. In Regionen mit hoher Luftfeuchtigkeit, instabiler Stromversorgung und schwieriger Logistik ist zuverlässige Ausrüstung kein Luxus, sondern eine Lebensversicherung für jedes einzelne Tier.

Und doch habe ich gelernt, dass Technologie allein nicht genügt. Erst durch die Menschen, die sie bedienen, pflegen und im richtigen Moment einsetzen, entfaltet sie ihre Wirkung. Es ist dieses Zusammenspiel, das den Unterschied macht: die Präzision der Geräte und die Leidenschaft der Menschen im Feld.

Jedes Tier ist es wert, gerettet zu werden. Gerade der Affenadler, der als King of the Birds gilt, ist nicht nur ein Symbol für die Biodiversität der Inseln, sondern auch ein Prüfstein für unseren Umgang mit Natur und Verantwortung. Artenschutz geht uns alle an, und manchmal sind es die kleinen Schritte, die den Unterschied machen: ein Bauer, der seine Felder anders schützt, eine Gemeinde, die sich für den Adler einsetzt, oder ein Student, der trotz aller Widrigkeiten weitermacht.

Mich hat vor allem die Wärme berührt, mit der ich in den Philippinen empfangen wurde, von Forschern, Studenten, indigenen Farmern, Rangern, Organisatoren und besonders von den Mitarbeitern der Philippine Eagle Foundation. Ihnen allen gilt mein tiefster Dank. Denn sie sind die eigentlichen Helden des Artenschutzes, die im Hintergrund wirken und dafür sorgen, dass eines der seltensten und beeindruckendsten Tiere unserer Erde eine Zukunft haben kann.